Und wieder mal ein Jahr rum. Viele Umbrüche hat dieses Jahr mit sich gebracht … das soll hier aber nicht Inhalt sein. Es geht mal wieder um Musik!
Überall gibt es jetzt diese “Album des Jahres” Sektionen in den Blogs usw.. Ich finde das gut. Ich lese die auch alle – irgendwie. Ich mach das mal ein bisschen anders: ich schreibe nicht nur über die besten Alben dieses Jahres. Ich schreibe mal über die Musik, die mich dieses Jahr – so ich mich noch erinnere – bewegt hat. Das kann die verschiedensten Gründe haben …
Ich fange mal an:
Der größte musikalische Brocken dieses Jahr war für mich etwa Mitte des Neil Youngs The Archives Vol. 1 1963–1972. Großartig, überragend, ein Meilenstein in der Aufarbeitung des vielleicht größten Musikers aller Zeiten. Und das Archiv deckt ebenso seine vielleicht besten Zeiten ab: Der Anfang mit den Squires. Dann die tolle Zeit mit Buffalo Springfield (Exspecting to fly!!!). Schließlich noch die Großtaten mit Crosby, Stills, Nash (and Young). Nicht zu vergessen (oder vor allem) auch seine Solo-Alben bzw. seine Alben mit Crazy Horse. Eigentlich müsste ich hier nur eines nenne: Harvest. Aber auch After the Goldrush, Everybody Knows This Is Nowhere und Neil Young fallen in diese Zeit. Was für eine Zeit – was für herausragende Musik!
Die erste CD finde ich in großen Teilen nicht besonders spannend. Es gibt aber ein paar Highlights:
Gleich das erste Lied: Aurora von den Squires ist hervorragend. Rein instrumental und … so anders. Ich kannte diese Art von Young überhaupt nicht. Läßt sich nett an.
Lied Nummer 10: Eine Art Demo-Version von Youngs Hit Sugar Mountain. Nur Gesang und Gitarre. Toll.
Lied 9 auf der zweiten CD: Die Album-Version des schon oben erwähnten Exspecting to fly. Dieses Lied ist so atmosphärisch. Ich erinnere mich bei diesem Lied immer an die Szene aus Fear And Loathing In Las Vegas, in der Johnny Depp mit umgeschnallten Dino-Schwanz in dem vollkommen zerstörten Hotelzimmer sitzt und dann Exspecting to fly läuft. Grandios. “There was evidence in this room of excessive consumption of almost every type of drug known to civilized man since 1544 AD”
Die nächste CD ist dann Topanga 1 (1968-1969):
Hier gibt es keine besonders tollen Versionen, die bisher noch unbekannt waren. Zu erwähenen ist die Sugar Mountain Live-Version. Ansonsten nur Album-Versionen. Aber tolle Lieder sind es trotzdem:
Down By The River von Crazy Horse vom 69er Album Everybody Knows This is Nowhere und Cowboy In The Sand vom selben Album. Meilensteine der Musikgeschichte!
Die dritte CD ist Live at the Riverboat (Toronto 1969):
Hat mich persönlich nicht vom Hocker gerissen, obwohl ich ein Fan von Livealben bin. Aber irgendwas fehlt hier. Sugar Mountain ist mal wieder sehr gut gelungen, On The Way Home ist mit viel Herzblut gesungen, The Last Trip to Tulsa ist schön lang und sehr gut instrumentalisiert, aber Young sing irgendwie an seinen Grenzen. Am Ende findet sich dann das Highlight des Albums: Exspecting to Fly in einer unglugged Liveversion.
Die vierte CD ist Topanga 2 (1969-1970):
Ähnlich wie schon Topanga 1: Hauptsächlich Album-Versionen usw.. Hervorsticht eine neu gemixte Version von CSNYs Hit Helpless, die wirklich hervorragend gut gelungen ist. Cinnamon Girl und Dance Dance Dance sind die Großtaten Youngs, die sich auf diesem Tonträger finden lassen.
Es folgt auf CD fünf Live At the Fillmore East (New York 1970):
Dieses Album wurde schon vorab veröffendlich. Es ist eine Liveaufnahme von Crazy Horse. Zwei Lieder stechen aus dem großartigen Konzertmitschnitt heraus: Down By The River und Cowgirl in the sand. Mit 12:22 und 16:09 wunderbar mit der Gitarre von Young unterlegt. Wunderbar. Diese CD ist sicherlich die rockigste. Lässt sich auch schon daran erkennen, dass es sich hierbei um ein Crazy Horse Album handelt.
CD sechs ist mit Topanga 3 (1970) betitelt:
Wer sich ein wenig in Youngs Diskographie auskennt, kann erkennen, dass wir uns hier in der After the Goldrush Zeit befinden. So verwundert es nicht, dass sich auf Topanga 3 ebenso wie auf 1 und 2 hautsächlich Albumversionen befinden. Tell me why in netter Live-Version von CSNY ist das hervorstechende unbekannte Stück. Tell me why, After The Goldrush, Only Love Can Break Your Heart, Southern Man und Ohio sind die Young Hits dieser Zeit und dieses Albums. Dem geneigten Leser magt aufgefallen sein, dass es sich hierbei um fast das ganze After The Goldrush Album handelt: Seis drum!
Es folgt Live at Massey Hall (Toronto 1971):
Auch dieser Young-Solo-Auftritt war schon vorab veröffendlicht worden. Bei dem Mitschnitt aus der Massey Hall in Toronto handelt es sich um das beste Livealbum von Young (solo!), das ich kenne. Jedes Stück ist für sich genommen hervorrangend instrumentalisiert. Young muss an diesem Abend richtig gut drauf gewesen sein. Ich empfehle, dieses Album anzuhören!
Young stellt hier die Lieder für sein noch nicht veröffendlichtes Harvest-Album vor. So kann man noch recht fragile Versionen der Größttaten Youngs hören. Sein größten Hits, bevor sie es wurden:
Nummer 3: Old Man. Das ist das Best Young Lied, das ich kenne. So viel Gefühl und so viel Ausdruck liegen in diesem Lied. Es ist unbeschreiblich: Anhören!
Lied 7: A Man Needs a Maid/Heart of Gold (Suite). Man beachte, dass Youngs größter Hit Heart of Gold hier nur als kleines Anhängsel zu A Man needs A Maid hören ist. Ganz verschähmt fast schließt sich nach 4:40 Min. die Refrainzeile an A Man Needs A Maid an. Man kann aber schon hier hören, das Heart of Gold etwas ganz Großes wird. Nach knapp 2:00 Min ist alles vorbei: 2:00 Min Musikgeschichte. der Applaus hält sich in Grenzen. Wenn die nur wüßten …
Lied 5: Helpless: Ausdruck 100%. Unbeschreiblich gut.
Lied 8: Cowgirl in the Sand: WOW! Crazy Horse zieht immer ein riesen Show um dieses Lied ab. Dass es auch anders geht (und es mindestens genauso gut ist, wenn nicht besser) beweißt Young hier. Minimalistisch und gefeiert.
Lied 15: Down by the River: Rufe aus dem Publikum: ” Down By The River! Down By the River!” Was spielt Young: Down By The River. das Publikum tobt. Es ist nachzuvollziehen. “Nichts wird jemals wieder so ehrlich sein!” Sagten Interpol bei der Auswahl ihres iTunes-Mixes. Recht haben sie!
CD 8: North Country (1971-1972):
Wir befinden uns in der Harvest-Zeit. Daher einige Lieder von Harvest gemischt mit Live-Aufnahmen.
Lied 1: Heart of Gold: Gefühlvolle Live-Aufnahme. Groß!
Ansonsten Harvest: The Needle And The Damage Done, Old Man, Heart of Gold, Harvest, Are You ready for the Country? und Alabama.
Das wars. Hört sich nicht spannend an. Ist es vielleicht auch nicht. Erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass man die CDs für wenigstens 90 Tacken bekommt. Viel Geld für viel Musik, die man schon hat. Viele Versionen sind sehr schön. Nur lohnt es sich für so wenige Lieder, dass man sie bequem auch noch auf einen CD bekommen würde der Kauf nicht. Wenn man die vorher veröffendlichten Young Alben schon hat, dann rate ich von der Investition ab. Wenn man vielleicht nur Harvest zu Hause rumstehen hat, dann kann man das Geld investieren und man wird nicht traurig sein, so man Young mag. Für diesen Fall ist es aber unwahrscheinlich, dass man nur Harvest hat …
Ich werde die Tage mit der Musik des Jahres weitermachen …
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Henry
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Felix (der andere)
Jasper
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Felix (der andere)